Lebensgeschichte 2

Nach den drei Jahren mit drei relativ kleinen schwarzen Punkten gesellte sich im anderen Auge ein trüber Streifen. Nachdem er im rechten unteren Ende meines Blickfeld war ist er mir erst nur sehr selten aufgefallen. Als ich mich dann das erste mal traute wieder einmal in den blauen Himmel zu schauen habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass beide Augen eigentlich voll von durchsichtigen kristallinen Fäden sind.
Mit der Entspannung war es dann erstmal vorbei, ich hatte subjektiv das Gefühl als würden es immer immer mehr werden, letztendlich habe ich aber vermutlich nur mehr wahrgenommen.
Also wieder einen Augenarzt besucht, dieser unglaublich „empathische“ „freundliche“ und fachlich sehr „kompetente“ Mensch hat es tatsächliche geschafft, alle Sorgen hinsichtlich meiner Augen, mit seiner fundierten und wohl überlegten Aussage: „Herr R. da haben sie aber echt ein Pech, da kann man überhaupt nichts machen, konzentrieren sie sich nicht so darauf, wenn sie Blitze sehen kommen sie wieder“, zu zerstreuen.  Ich denke ich brauche nicht zu erklären, dass ich ab dem Tag Blitze gesehen habe. Psychosomatik das Arschloch.
Wenigstens hatte ich das erste mal einen konkreten Namen unter dem ich googeln konnte. Das Monster hatte einen Namen: Mouches Volantes.

Nach einem mehrstündigem googeln und diversen beinahe Nervenzusammenbrüchen, bei dem Gedanken mit diesen Dingern mein Leben lang herumzulaufen, war die Erkenntnis gefallen, dass dies wohl mein Schicksal sei. Ich könnte daran Verzweifeln oder es schaffen, leben müsste ich sowieso mit diesen Flecken.

(Anmerkung: Zu diesem Zeitpunkt war die Laser Vitreolyse noch nicht sonderlich bekannt und die Vitrektomie wurde in diesem Zusammenhang nicht mal erwähnt und ein Artikel auf Wikipedia hat zu dem Zeitpunkt noch nicht existiert)

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich – bedingt durch meinen minimalen – Informationsstand dachte ich muss sicherlich mit diesen Trübungen leben mich sehr zerschmettert hat. Ich glaube, dass wen eine andere Person, zu einem andere Zeitpunkt und mit einem anderen persönlichen Hintergrund diese Trübungen bekommen hätte, wäre er/sie sicher kompetenter damit umgegangen. Ich habe mich erstmal zurückgezogen.

Licht aus, rollte runter. Affe tot.

Hier geht es zum dritten Teil: Lebensgeschichte 3

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Möglichkeiten gegen die Mücken

Die harte und ernüchternde Realität gleich erstmal zu erst: Es gibt kein Naturheilverfahren/nicht operative Möglichkeit die Mücken zu entfernen. Völlig ausgeschlossen. Was von selber passieren kann, aber nicht muss, ist das sich die Mücken weiter absenken und so weniger wahrgenommen werden, oder sich der/die Betroffene daran gewöhnt. Das wars.

VitroCap und andere Irrtümer:
VitroCap oder andere Mittelchen zum einnehmen oder auch dieses ominöse Buch sind schlicht und ergreifend miese Abzocke, jedenfalls nach meiner Erfahrung. Niemand verliert dadurch seine Trübungen. Sie werden nicht einmal besser, dafür muss man einfach nur die Rezensionen lesen oder man gönnt sich 90 Tage eine Kur aus den Pillen, die man billiger und besser auch selbst zusammenstellen kann.
Das PDF-„Buch“ ist erstmal genau der selbe Unsinn, beinhaltet auch eine Ernährungsumstellung und publiziert eine Diät mit ähnlichen Inhaltsstoffen.. Eine Diät bewirkt „vielleicht“ bzw. „eventuell“ ein nicht schlimmer werden, eine Verbesserung der Sichtbarkeit der Trübungen wird aber zu 100% nicht eintreffen.
Grundsätzlich ist es eine maßlose Frechheit und an Schamlosigkeit nicht zu überbieten verzweifelten Menschen so einen Schwachsinn aufs Auge zu drücken. Diese Menschen sollte sich schämen.

Laser Vitreolyse

Hierbei werden mit einem Laser die Trübungen nach und nach verdampft. Eigentlich ein super Schritt in die richtige Richtung. Es ist – bei richtiger Ausführung – ein schonendes Verfahren fast gänzlich ohne Nebenwirkungen. Nur die Wirkung wird hier in Deutschland extrem geschönt. Bei manchen Arten von Trübungen bietet sich der Laser tatsächlich an, große zusammenhängende Verklumpungen in der Mitte des Glaskörpers, welcher sich dazu auch kaum bewegt und die Trübungen muss 3mm vor der Netzhaut und muss 3mm hinter der Linse sein. Ziemlich viele Einschränkungen und selbst wenn man alle Voraussetzungen erfüllt bleiben mit ziemlicher Sicherheit noch Floater übrig, ebenso ist es nicht ausgeschlossen sogar sehr wahrscheinlich das wieder Trübungen den Weg in das Blickfeld finden. Warum? Weil der degenerative altersbedingte Schrumpfungsprozess des Glaskörpers verantwortlich für die Trübungen ist und die hört nicht mit dem Lasern auf, sondern steigt mit dem Alterungsprozess stetig voran.
Der Grund warum Dr. med. Karl Brasse aus Vreden so gute Werte bei der Zufriedenheit seiner Kunden hat, ist seine rigorose Selektion von Patienten. Menschen die aus oben genannten Kriterien fallen werden nicht behandelt. Also ist es logisch, dass die Patienten mit den optimalen Bedienungen ein optimales Ergebnis erzielen. Es kann sein das er ein netter fähiger Arzt ist und vielen Menschen geholfen hat, aber dennoch die Kritik ist berechtigt.
Gleichfalls ist die Laser Vitreolyse ein momentan noch teures Verfahren und beachtet man den Umstand, dass der Ausgang im Vorfeld gänzlich ungewiss ist, ist dieses Verfahren momentan noch ein Witz und steckt in den Kinderschuhen.

Vitrektomie mit Gauge 23 oder Gauge 27

Kommen wir zur ultima ratio, der letzten Möglichkeit, der Vitrektomie. Hierbei wird der Glaskörper schlichtweg entfernt und durch eine andere Flüssigkeit getauscht.
Die meisten Vitrektomien werden in Deutschland pars plana durchgeführt, das heißt im geschlossenen System, bedeutet das das Auge nicht „aufgeschnitten“ wird. Es werden 2 – 3 Zugänge (ähnlich einem Portal das sich nur in eine Richtung öffnet) am Auge angebracht. Durch diese Zugänge werden die Werkzeuge (Sauger, Licht) eingeführt, das gleiche Volumen was abgesaugt wird, wird auch wieder zugeführt, so bleibt der Augeninnendruck konstant.
Nach dieser Operation hat es sich um die Trübungen erledigt, quasi für immer, falls der Glaskörper vollständig entfernt wurde. Falls nicht können an den Stellen, an denen Glaskörper übrig geblieben ist wieder Trübungen entstehen. Wie viel entfernt wird oder entfernt werden kann hängt vom Auge und dem Operateur ab. Die Zufriedenheit der operierten Patienten ist jedoch höher, wenn der Glaskörper vollständig entfernt wird.
Natürlich hat dieser Eingriff Risiken: Netzhautrisse (eher selten), vollständige Abhebung der Netzhaut (sehr selten), Infektionen (fast ausgeschlossen), Grauer Star (innherhalb von 1 – 10 Jahren, je nach Alter des Patienten. Ältere Patienten >30 bekommen schneller einen Grauen Star)

Kurz zum Grauen Star. Der Graue Star ist die am häufigsten am Auge durchgeführteste Operation der Welt. Die meisten Menschen bekommen im alter den Grauen Star, welcher sich durch eine Trübung der Augenlinse kennzeichnet und partiellen bis vollständigen Sehkraftverlust zur Folge hat. Bei der Operation wird die körpereigene Linse durch eine künstliche Linse (Monofokallinse, das zahlt die Kasse) ausgetauscht. Die Erfolgsquote liegt hierbei bei ~97%. Nach der Operation hat der Patient umgehend wieder freie Sicht, ist jedoch entweder Kurz- oder Fernsichtig, hier wird eine Brille benötigt. Danach ist die Sehkraft wieder fast vollständig (mindestens so gut wie davor) hergestellt

 

Persönliche Meinung oder was würde ich tun.

Schwierige Frage.
Die Laser Vitreolyse ist ein spannendes Verfahren für die Zukunft, aber nach meiner Einschätzung wird es mind. 10 – 20 Jahre dauern bis das Verfahren derart ausgereift ist, dass man allen Menschen mit Vertrübungen 100% heilen kann, wenn überhaupt. Dazu besteht das Risiko das sich wieder Floater ins Auge schieben und es ist vergleichsweise teuer, mit mind. 1000€ pro Auge wird man rechnen können. Ebenso gibt es zahlreiche Betroffenen die nach mehrmaligen Behandlungen einen Katarakt (Grauen Star) entwickelt haben, also das gleiche wie bei der Vitrektomie. Nach meinem jetzigen Wissenstand ist dieses Verfahren für mich keine Alternative, wenn ich etwas dagegen mache, dann einmal und dann nie wieder. Die Vitrektomie ist mittlerweile ein relativ sicheres Verfahren die Komplikationen, wenn sie denn auftreten, sind quasi vollständig unter Kontrolle. Problematisch ist hierbei die Suche nach einem Arzt, der diese Operation durchführt und dabei weiß was er tut. Hier wäre es wichtig Ärzte zu sammeln die diese Operation bereits erfolgreich durchgeführt haben, wenn das Hauptproblem „nur“ Floater waren. Falls jemand von euch solche kennen sollte, bitte in die Kommentare schreiben oder mir hier privat schicken.
Zurück zu dem was ich tue, die Entscheidung eine Vitrektomie durchzuführen ist bei mir quasi gefallen, ich habe das Geld nur noch keinen Arzt. Aber momentan versuche ich mit den Mücken Frieden zu schließen, da der Leidensdruck deswegen gerade sehr gering ist, die Operation läuft schließlich auch nicht weg.
Jeder muss die Entscheidung für sich selbst treffen, letztlich ist jede Entscheidung ok. Wer Operationen kategorisch ablehnt und lieber versucht damit zu leben hat genauso recht, wie jemand der überhaupt nicht versuch sich daran zu gewöhnen und sich gleich operieren lässt.

 

Statusbericht

Hallo Ihr!

Eines meiner Probleme mit den Mücken ist das meine Stimmung zu ihnen immer wieder stark schwankt. Manchmal machen sie mich extrem wahnsinnig, manchmal nehme ich sie tagelang fast nicht wahr beziehungsweise stören sie nicht.
Das ist ein Sache der Definition, etwas wahrnehmen ist grundsätzlich erstmal etwas neutrales. Ich sehe meinen Arm, meine Beine oder einen Hund der über die Straße läuft, was ich mir zusätzlich zu diesem objektiven Gegebenheit denke ist meine Interpretation.
Den Großteil meines Lebens mit den Mücken habe ich sie gesehen und gleich darauf habe ich sie gehasst.
Im großen und ganzen liegt genau da der Hund begraben, aber kann man lauter Fäden und dunkle Flecken in seinen Augen tatsächlich irgendwann einfach akzeptieren, quasi über sie hinweg sehen?
Keine Ahnung, ich bin ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass ich solche und solche Tage habe. In den letzten Jahren gewinnen die Tage in denen ich in den blauen Himmel schauen kann oder in den Sonnenuntergang ohne das ich denke ich brauche eine Packung Valium.
Ein großen Schritt dazu beigetragen – so paradox das klingt – war der Entschluss mich einer Vitrektomie zu unterziehen. Den als es ganz real geworden ist, die Aussicht auf eine klare Aussicht sozusagen, war es irgendwie nicht mehr so wichtig. Natürlich hat mich der Gedanke daran begeistert und ich fand es toll mir vorzustellen, einen klaren Ausblick zu haben. Doch jede Operation hat ein Risiko und Grauer Star noch vor meinem 30 Geburtstag war dann gar nicht mehr so ein schöner Ausblick. Ich lasse es mir dennoch offen, momentan habe ich genügend Geld in der Hinterhand, um Notfalls am nächsten Tag loszufahren und die Vitrektomie machen zu lassen, falls ich es gar nicht mehr aushalten sollte.
Das hat mich wahnsinnig entspannt, weil jetzt kann ich ganz entspannt und sorgenfrei einfach schauen, ob ich nicht auch etwas anderes gegen den „Dreck“ in meinem Auge unternehmen kann. Quasi einfach weiterleben, einfach so ganz entspannt nach vorne schauen trotz der Mücken.

 

Hier geht es zum zweiten Teil: Lebensgeschichte 2

Weg zur Vitrektomie Teil 1 Vorgeschichte

Übersicht meiner Lebensgeschichte mit den Mücken.

Wie an andere Stelle schon einmal angesprochen, habe ich mich dazu entschieden eine Vitrektomie machen zu lassen.
Die Entscheidung ist mit keineswegs leicht gefallen, manchmal bin ich selbst nicht 100% davon überzeugt, aber eigentlich sehe ich es als die einzige Möglichkeit für mich.

Über die 10 Jahre hinweg, habe ich mein Leben sehr gut darauf eingestellt diese Mücken zu sehen. Dunkle Sonnenbrillen, Helligkeit des Bildschirms auf 0, keine schnellen Augenbewegungen durch Lichtquellen und all diese Strategien und Muster , die mir es ermöglicht haben, diese Mücken weitgehend zu ignorieren.

Jetzt hat sich die Situation aber nochmals verändert, es sind nochmal mehr Trübungen geworden und mein Glaskörper hat sich Links nicht vollständig abgehoben.( Link zum Thema: hintere Glaskörperabhebung) und zieht an einer Stelle an der Netzhaut, nach zwei Terminen beim Augenarzt, wegen heller Lichtblitze und einer sporadisch erscheinenden hellen Stelle wurde mir mitgeteilt, das erst gelasert wird, wenn ein Riss entstanden ist.

Nachdem ich im Zusammenhang mit an der Netzhaut ziehenden Glaskörpern schon öfter davon gelesen habe, dass eine Vitrektomie nach mehrfachen Netzhautrissen sogar empfohlen wird, war mein Gedanke klar soweit lasse ich es nicht kommen. Weswegen ich mich jetzt doch für eine Vitrektomie entschieden habe. Der Graue Star, den ich von dieser Operation bekomme, nehme ich einfach mal billigend in Kauf.

An dieser Stelle mal die Stimmen meiner Mitmenschen zu meiner Entscheidung eine Vitrektomie durchführen zu lassen und nach einer kurzen Erklärung wie diese Operation funktioniert (Glaskörper absaugen etc.)

„Du spinnst doch völlig.
– Meine Mutter

„Das machst du bitte nicht“
– Meine Schwester

„Die Saugen dir was ab? Um Gottes Willen!“
– Guter Freund

„Wie verdammt unlustig“
– Guter Freund

„Okay und danach ist das Problem gelöst?“
– Meine Freundin

„Wenn das ihre Entscheidung ist und sie sich das reiflich überlegt haben, werde ich sie da natürlich unterstützen.“
– Mein Therapeut

Natürlich ist das alles nicht so einfach. Wie hier schon mal kurz ausgeführt.

Es ist natürlich der einer der invasivsten Eingriffe die man am Auge machen lassen kann, dass muss einem klar sein. Das man im schlimmsten Fall richtig arge Probleme (bis zu großen Gesichtsfeldausfällen oder Blindheit) alles haben kann, darf man auch nicht leugnen. Deswegen ist es wichtig sich einen guten Arzt mit einigem an Reputation zu besorgen.

Zu den Ärzten, weiteren Schwierigkeiten und meinem Leben folgt später mehr.
Bis dahin alles gute.

Hier geht es zu Teil 2