Zurück zur Welt

Licht sehen wo für andere nur Nebel ist.

Was sind Floater?

Klumpen im Glaskörper? Brocken? Ein Schleier? Nebel? Der Grund warum in letzter Zeit überhaupt nichts mehr läuft? Der Stolperstein auf der Türschwelle der einen in die eigenen vier Wände kettet?

Vom „Floater haben“ zum „mit Floatern leben“ ist es ein Marathon. Rückschläge, Entsagungen, Verzweiflung und auch Trübsinn flankieren den Weg für einen produktiven Umgang mit dem „Schlonz“.

10 Jahre Floater

Unvergessen bleibt der Arzt der mir sagt, dass sich von meiner Nasenscheidewand Partikel gelöst hätten, welche in meinen Glaskörper eingedrungen sind. Anschließend verschreibt er mir Augentropfen (Privatrezept) für teures Geld, die brennen wie Säure und nichts verändern. Damals war das schrecklich heute ist es ein guter Witz in jedem Floater Forum.

Die weiteren Augenärzte, die mich aus der Praxis schmissen oder nicht wussten was ich meine. Der Arzt in München der mich ausgelacht hat und meinte ich bräuchte eine Therapie. Irgendwie hatte er recht, aber ich war schon zwei Jahre dort. Anfangs nicht wegen der Floater – später dann schon.

Erwachen

Man kann es pathetisch finden oder ungewöhnlich, aber ich sah ab einem gewissen Punkt die Floater mehr als eine Lebensaufgabe und nicht als Schicksalsschlag. Natürlich! Dazwischen lagen Selbstmordfantasien, Angst vor die Tür zu gehen, geschlossene Rollläden, durchgeschlagene Wände, aber auch Camus, Nietzsche, Hegel, Kant, Satre und Schopenhauer.  All das machte die Floater zu mehr als schwirrende Klumpen. Wie Max Frisch in Montauk über seinen Freund Werner Coninx schreibt, dass er durch ein mehr an Bildung und Interesse ein gehaltvolleres Leben hatte als Frisch dies je zuteil wurde. In Montauk sind es Landschaften, Literatur, Kunst und Kultur in meinem Leben sind es braune Punkte im Auge. Tragisch, aber warum nicht?

Seit Anfang 2017 kein einziger Tag mehr an dem ich wegen der Floater Zuhause blieb, oder das Gefühl mich selbst mit einer Nadel und einem Strohhalm zu vitrektomieren.

Ein neuer Beginn

Einen Satz den ich Anfangs wie ein Mantra vor mir her sprach, wenn ich dachte, dass die Welt unter mir nun doch gleich implodieren müsste:

„Wenn die Augen schon nichts mehr sind, dann mach den Rest vom Leben gut“.

Es ist hier niemandem etwas zu verkaufen, also kann ich deutlich machen, dass ich ein Leben ohne Floater jederzeit bevorzugen würde, aber überzeugt bin so gut wie ich geht kaum einer mit seinen um. Manche Tage – diese werden auch immer häufiger – sind die fliegenden Mücken kein Gedanke in meinem Kopf. Die Zeiten des „panisch gegen weiße Wände schauen“ oder „schnell bei Dunkelheit durch Lichtquellen von links nach rechts schauen“ sind vorbei – endlich. Die meiste Zeit hat mich die Wut, Angst und Fassungslosigkeit über meinen Zustand mehr verfolgt als die Mouches Volantes selbst.

Mein Wille in mich, meine Bildung, Freunde, Freundin und generell mein Leben zu investieren hat sich gelohnt.

Ich kann nur jedem wünschen sich auf die Welt hinter der Floater zu konzentrieren, denn es gibt eine und die ist wunderschön.

 

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3 Gedanken zu “Zurück zur Welt

  1. Hallo,

    ich bin Medizinstudent (ja, tatsächlich) und habe seit circa drei Monaten genau dasselbe Problem.
    Und nein, ich habe keine Netzhautablösung oder Glaskörperabhebung oder Sonstiges, was dieses Phänomen erklären könnte. Aber in meinem ganzen linken Auge flottiert es. Ganz schlimm ist ein riesiger, durchsichtiger Faden, der Mitten auf der Macula zu liegen scheint. Den sehe ich beim Lesen, vorm Bildschirm und die meiste Zeit draußen.
    Seine Freunde sind aber nicht weit entfernt. Jeder Hörsaal ist eine Qual. Lernen von weißen Folien ist eine Qual.
    Bislang gehe ich auf dem Zahnfleisch – Finde mich in all dem wieder, was du geschrieben hast. Möchte dir für deine aufrechten, tollen Worte und Umgang danken und gratulieren. Ich sehe einzig in der Vitrektomie die einzige Chance, diesen Linien zu entkommen.

    Gab es denn irgend einen Arzt, der dich hätte operieren wollen und dich ernst genommen hat, an den ich mich wenden könnte? Und haben sich deine Linien irgendwie gebessert, sodass du nun soweit bist, doch nicht operiert werden zu wollen?

    Viele Grüße und ein tolles Leben,
    Michael

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    • Hallo Michael, erst einmal tut es mir leid, dass du jetzt zu den Menschen mit Floatern zählst. Gibt definitiv angenehmeres, aber die Zeit am Anfang ist am schlimmsten. Du kannst ruhig hoffnungsvoll sein, dass deine Einstellung dazu sich massiv verbessern wird.

      Es gibt zahlreiche Ärzte die einen operieren würden, man wird einige ausprobieren müssen und ruhig mutig darauf beharren.

      Sich auf die „berufliche“ Einschränkung bei der Argumentation konzentrieren ist sicherlich erfolgreicher als alles andere.

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  2. Hallo,
    danke für deine aufmunternden Worte.
    Neben den endlosen Schlieren draußen habe ich eine transparente, exorbitant große Linie vor dem Auge, die dort festsitzt und Arbeiten eigentlich unmöglich macht. Sie bildet fast einen Kreis und ist sehr beweglich.
    Die Folge: 24/7 Schlieren im Kopf. Deswegen möchte ich eine Vitrektomie.
    Ich kenne die Risiken. Ich möchte einen Arzt finden, der mir nach Vorbringen meiner Beschwerden eine Vitrektomie ermöglicht. Ich möchte nicht aufgeben. Du hast in deinem Blocktext auch von unzähligen Arztbesuchen erzählt. Wie war das so? Und kannst du mir irgendwelche Namen von Ärzten nennen, die dich ernstgenommen und auch eine Vitrektomie angeboten haben?
    Danke schonmal. Ich sehe momentan kaum Licht am Ende des Tunnels. Die Tage momentan sind wirklich hart.

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