Sind Floater eine Krankheit?

Die Floater und die Krankheit.

 

Manchmal scheiden sich hier die Geister. Viele Menschen denen ich von meinen Trübungen erzählt habe, waren der Meinung das auch schon immer zu haben.

„Ach du denk dir nichts, die habe ich auch. So einen kleinen durchsichtigen Strich im linken Auge. Stört dich das so, ich nehme die kaum wahr..“

-Guter Freund

Ich will niemandem einen Vorwurf machen, der nicht versteht, was Floater, wenn sie ein Krankheitsbild darstellen, bedeuten. Es geht nicht um 1-3 kleine durchsichtige Fäden irgendwo in der Peripherie, es geht um unzählbare irre Strukturen, die bei jeder Augenbewegung durch das Blickfeld rauschen.

 

Aber mal ganz grundsätzlich, was ist eigentlich eine Krankheit?

Definition von Der Gesundheits-Brockhaus, F.A. Brockhaus GmbH, Leipzig – Mannheim:

„Krankheit ist definiert als Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens.[…]“

Sind Floater eine körperliche Krankheit?

Eine körperliche Krankheit, im Sinne von körperlich beeinträchtigend sicherlich nicht. Selbst Menschen mit den schlimmsten Trübungen, können noch lesen, Auto fahren, sprechen und sehen. Manchmal sind die Trübungen die Begleiterscheinung zu einer „echten“ körperlichen Erkrankung wie der Netzhautablösung, des Netzhautrisses, eine Blutung etc.
Die Glaskörpertrübungen, welche durch eine hintere Glaskörperabhebung entstehen, sind kein körperliches Krankheitsbild. Die hintere Glaskörperabhebung ist ebenfalls eine normale Folge des Alterungsprozesses. Durch eine hintere Glaskörperabhebung können Netzhautrisse und/oder Netzhautablösungen entstehen, wie wahrscheinlich das ist, weiß ich nicht. Die Symptome die in diesem Fall auftreten sind: Russregen, Gesichtsfeldausfälle, Blitze im Blickfeld.
Die meisten Menschen mit Glaskörpertrübungen haben dies nicht.

Wenn Floater keine körperliche Krankheit sind und das ein normaler Alterungsprozess ist, wo ist dann das Problem? Dann ist man doch gesund?

Nein, beziehungsweise nicht unbedingt.
Eine Depression ist genau genommen zwar eine körperliche Erkrankung, da die biochemische Zusammensetzung im Ungleichgewicht ist (kein/wenig Serotonin), gilt aber als eine seelische Erkrankung. Starke Trauer, nach dem Verlust des Ehemanns oder der Eltern, kann zu einer Depression führen, das ist auch eine seelische Erkrankung. 
Eine seelische Erkrankung mit einer körperlichen Komponente. Verminderter Antrieb, geringer Appetit, Trauer, kreisende Gedanken, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durchschlafstörrungen etc. Das alles sind körperlich greifbare Komponenten einer seelischen Erkrankung, nämlich der Depression.  Wobei gilt, nicht jeder mit den Symptomen ist zwingend depressiv, aber die meisten Depressiven haben diese Symptome, manchmal zusammen mit vielen anderen Symptomen.

Okay schön und gut, aber was bedeutet das für Menschen mit Glaskörpertrübungen?

Viele Menschen mit Mouches Volantes (Fliegenden Mücken) sind massiv von dem schwirren direkt vor den Augen beeinträchtigt. Das Gehirn ist auf eintreffende visuelle Reize sehr empfindlich, die braunen Striche und Klumpen sind nie vollends ausblendbar, selbst nach Jahren nicht. Man sieht sie also immer, wie sie durch das Blickfeld rauschen, oder sie sind in der Mitte des Sehzentrum und hängen immer da wo man gerade hinsieht.
Das ist problematisch, denn es lenkt massiv ab, denn meistens liegt das was man wahrnehmen möchte die Schrift eines Buches, ein lustiges Katzenvideo oder ein Sonnenaufgang, hinter den Trübungen. Heißt die Trübungen „verdecken“ das was man eigentlich sehen möchte. Das ist unglaublich anstrengend und störend, man ist die ganze Zeit einem Input unterworfen einem diffusen wirbeln vor den Augen. Viele zwingt es sehr dunkle Sonnenbrillen zu tragen, das Licht in der Wohnung auf ein Minimum zu reduzieren, lange Aufenthalte im hellen Tageslicht zu vermeiden und und und.
Die Betonung liegt hier auf zwingt, man muss es tun, da die Trübungen derart störend und penetrant sind, dass es anders kaum noch möglich ist.

Was folgt daraus?

Daraus entsteht ein Teufelskreis, die Trübungen werden gezwungenermaßen vermieden, dadurch sinkt die Lebensqualität. Man kann die Trübungen auch nicht abstellen, sie sind einfach immer da. Ein Albenpanorama war für mich früher das Maß der Dinge, seit meinen Trübungen ist es ein Albtraum. Ich spare mir an dieser Stelle, mal das Wortspiel mit Alptraum und Albtraum 😉

Dieser umstand drückt die Stimmung natürlich massiv in den Keller. Man verliert sukzessive den Spaß an vielen Aktivitäten, entweder dadurch das man sie vermeidet, oder während dessen gestört ist von dem Wirbelsturm vor den Augen. Das führt in den schlimmsten Fällen zu einer Depression. Ich bin seit 2 Jahren bei einem Therapeuten und nachweislich und messbar erkrankt an einer mittelschweren Depression. Da kann mir kein Augenarzt mehr erzählen ich gewöhne mich daran.

Ist jeder Mensch mit Trübungen automatisch krank?

Auch hier ein klares Nein. Wie bei vielen Sachen spielt die eigene Wahrnehmung und die eigene psychische Konstitution eine entscheidende Rolle.
Es gibt viele Menschen mit Segelohren, zu großen Nasen, schiefen Zähnen aber keinem geht es gleich. Alle empfinden es als unterschiedlich schwer. Mike Krüger lebt mit seinem Zinken offenbar nicht so schlecht, wobei andere mit kleineren Nasen schier verzweifeln. Das ist von einem selber abhängig, das kann man nur für sich selbst bestimmen. Es gab durchaus Momente in meinem Leben in denen ich mich wunderbar gesund gefühlt habe, trotz massiver Floater. Einen stört ein einziger Strich, der andere lebt mit über 30 Floatern ohne nennenswerten Unterschied (das ist zwar jetzt utopisch, aber vielleicht).

Um es auf den Punkt zu bringen, nicht jeder mit Floatern im Auge ist krank oder muss sich krank fühlen, auf keinen Fall. Meiner Meinung nach gibt es einen Punkt an dem es zu viele Floater sind, da wird jeder Blick in den Himmel zur Qual. Diese Menschen, da gehöre ich dazu, vermeiden bestimmte Verhaltensweisen, sind in ihrer Stimmung gedämpft und die Gedanken kreisen viel um das eigene Augenthema. Das ist eine Krankheit.

Ab wie vielen Floatern ist man krank?

Das ist eine Frage, welche mich in letzer Zeit sehr viel beschäftigt. Es gibt nicht nur ein „wie viel“ sondern auch ein „wo“. Zwei schwarze Punkte direkt in der Mitte des Gesichtsfeldes, sind bestimmt störender, als vier kleine Fäden in der äußersten Peripherie. Grundsätzlich finde ich sollte jeder das Recht haben, seine Floater operieren zu lassen, egal wie viele und wo sie sind. ABER. Es macht halt nicht immer Sinn. Ein paar Monate sollte man sich Zeit geben, vielleicht lernt man ja gut mit ihnen umzugehen, oder sie sind nur am Anfang so störend. Ändert sich nach einem Jahr nichts und die Lebensqualität leidet massiv, dann sollte eine Operation in Betracht gezogen werden.

 

Aber sind Floater offiziell eine Krankheit?

Nein. Laut den Krankenkassen sind Glaskörpertrübungen eine subjektive Beeinträchtigung eine Vitrektomie in diesem Rahmen ein kosmetischer Eingriff. Floater sind also keine Krankheit. Das ist ein absoluter Schlag ins Gesicht für jeden mit massiven Floatern. Man wird mit seiner Erkrankung einfach nicht ernst genommen. Ich persönlich habe keine Lust, jedes mal bei einem Augenarzt einen kompletten Seelenstriptease hinzulegen und Ärzte davon zu überzeugen, dass ich unter meinen Trübungen leide und das kein bloßes Hirngespinst ist.

Daraus ergibt sich eine weitere Problematik, nämlich das jede Hilfe für GKT-Patienten, quasi eine Privatleistung ist. Es gibt kein einheitliches Behandlungsschema. Heißt manche Ärzte nutzen die GKT-Patienten, um massiv Geld an ihnen zu verdienen. So werden teure Voruntersuchungen veranlasst, welche privat zu tragen sind und dann wird doch nicht operiert, weil es zu gefährlich ist (Vitrektomie) oder nicht möglich (Laser-Vitreolyse). Ärzte entziehen sich so der Kontrolle durch die Krankenkassen, das ist ein fataler Zustand und so unhaltbar.

 

 

Einer dieser Tage

Ich und meine Floater wir kennen uns. Ich habe ihnen Namen gegeben bis es zu viele wurden, ich habe ihnen positive Adjektive zugeschrieben bis ich keine mehr kannte, oder das Deutsche Vokabular einfach keine mehr hat. Wer weiß das so genau.

Ich bin 23 Jahre alt und lebe seit 2 Jahren mit einer schier endlosen Zahl an Trübungen in beiden Augen. Heute ist jede Augenbewegung ist ein kleiner Horror für sich.
Ich möchte ehrlich sein, ich habe Kriege mit meinen Floatern gekämpft, ich habe manchmal verloren und manchmal gewonnen. Manchmal war es auch ein Unentschieden. Als ich weinend vor meiner Freundin saß und nicht mehr weiter wusste, weil schon wieder 2 braune Schlieren den Weg in mein Auge gefunden hatte, schaute sie mich an mit ihren perfekten braunen Augen begleitet von den Worten:„Achte einfach nur auf mich, so wie ich auf dich achte“. Ein Moment so wunderbar wie auch endlos kostbar. Das war ein Unentschieden.

Heute ist einer dieser Tage, da fühle ich mich ganz weit weg von all den Siegen und Unentschieden. Es gibt da draußen ein Leben zu führen, ein Leben voll von wunderbaren Ausblicken und Augenblicken. Heute fühlt es sich so an, als würde ich durch meine Trübungen auf dieses „wunderbar“ schauen, ich bin zwar da, aber kein Teil davon. Ich bin endlos traurig und auch wütend, wütend darauf, dass ich diesen Mist habe. Wütend auf jeden Arzt, der meint man gewöhnt sich daran.

Sich daran gewöhnen, wirklich ich habe das versucht. Monatelang bin ich gegen Windmühlen angerannt, bis ich einen Punkt erreicht habe, an dem ich mir eingestehen musste, dass es besser nicht wird. Was ist besser? 
Ich gehe ohne Sonnenbrille vor die Tür, die Floater sind ein Thema, wenn sie es sein müssen (neuer Arztbesuch etc.). Was hat mich das gekostet? Hunderte Tage voller Verzweiflung, zig. Arztbesuche unzählige Therapiestunden (dazu schreibe ich mal konkreter was 🙂 ), dafür das ich jetzt kein kleines Häufchen Elend mehr bin, sondern halbwegs kompetent mit den GKT umgehen kann. Yes! Es gibt Menschen die fliegen zum Mond, ich kann mit meinen Trübungen umgehen, wenn das nicht die Definition eines erfolgreichen Lebens ist, dann weiß ich auch nicht mehr.

Auf der anderen Seite bin ich tatsächlich erst 23 Jahre alt, die Forschung bzw. die Medizin im allgemeinen, hat in den letzten Jahren einen unglaublichen Schritt gemacht. Mittlerweile gibt es die Vitrektomie, sogar Ärzte die diese bei Trübungen anwenden. Immer noch zu wenige aber es gibt sie. Die Lage ist nicht hoffnungslos, sie ist kompliziert man braucht viel Geduld und einen langen Atem, aber die Floater werden vermutlich bald Geschichte sein. Was bleibt ist das Risiko der Operation.
Ich hatte vor fast 15 Jahren eine Nieren-OP, ich hab Jahre später erst erfahren, dass ich mehrmals massive Komplikationen hatte und ich tatsächlich auch hätte sterben können. Aber ich bin es nicht, vermutlich auch deswegen, weil mir das damals gar nicht bewusst war. Diese Möglichkeit gab es gar nicht, ich war komplett frei von Angst und an dem Tag meiner Vitrektomie, wird es genauso sein. Alles wird gut.

Morgen wird ein Sieg, heute ist es eine hauchdünne Niederlage.

Lebensgeschichte 3

Mein Problem waren nicht nur dieser verdammt nervigen Floater. Es war nicht so als hätte ein von Grund auf glücklicher Mensch dieser Dinger gesehen und ist dann sofort schwer depressiv geworden. Vielmehr war ich davor schon jahrelang depressiv oder sagen wir unglücklich und tief in mir sehr traurig.
Diese Floater haben sich dann perfekt in das Gesamtbild meines beschissenen Lebens eingereiht. Yeah! Noch ein Grund mehr alles zu hassen.

Meine Aufmerksamkeit hat sich neu fokussiert, wo früher grüne Wiesen, ein blauer Himmel und ein bisschen fliegende Mücken war, da war jetzt haufenweise Dreck und ein bisschen Landschaft.
Ich habe Jahre gebraucht bis ich nach meiner erste Erfahrung wieder einmal den Mut aufgebracht habe, nochmal zu googeln. Zu groß war meine Angst nochmal zu erfahren das es nichts gibt was ich tun könnte.

Doch dann fand ich die Laser-Vitreolyse! Da denkt man jahrelang, es gibt keine Möglichkeit, irgendwie wieder ein normales Leben, ohne den Schmutz zu führen und dann findet man etwas, dass dies verspricht. Ich brauche keinem zu erklären wie euphorisch ich gewesen bin, am liebsten hätte ich die Welt umarmt. Doch zwei Klicks weiter war wich die Euphorie der sehr ernüchternden Realität.
Kaum ein junger Mensch kommt für die Vitreolyse in Frage, die Vitreolyse entfernt nicht alle Floater und die Operation muss privat bezahlt werden. Ohh well, fuck then!

Meine Trübungen tanzten wild über den Bildschirm meines Computers und formten ein hämisches Grinsen. Doppelte Punktzahl für den Pathos. 

Eigentlich hatte ich jede Hoffnung aufgegeben jemals wieder einen freien Blick zu haben, doch dann fand ich die Vitrektomie. Diverse Websiten waren sich einig, die Pars-Plana-Vitrektomie ist eine relativ schonende Operation mit geringer Komplikationsrate.  Okay, ist gekauft!

Leider ist der zweite Blick meistens nicht mehr fähig dazu die erste Euphorie aufrecht zu halten. Grauer Star ist die sichere Konsequenz. Also dann doch nicht, aber immerhin gibt es etwas, was mir eventuell helfen könnte. Allein schon die Aussicht darauf, dass ich nicht mit meinem Trübungen sterben muss, war schon wie Balsam für mich.

Lebensgeschichte 2

Nach den drei Jahren mit drei relativ kleinen schwarzen Punkten gesellte sich im anderen Auge ein trüber Streifen. Nachdem er im rechten unteren Ende meines Blickfeld war ist er mir erst nur sehr selten aufgefallen. Als ich mich dann das erste mal traute wieder einmal in den blauen Himmel zu schauen habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass beide Augen eigentlich voll von durchsichtigen kristallinen Fäden sind.
Mit der Entspannung war es dann erstmal vorbei, ich hatte subjektiv das Gefühl als würden es immer immer mehr werden, letztendlich habe ich aber vermutlich nur mehr wahrgenommen.
Also wieder einen Augenarzt besucht, dieser unglaublich „empathische“ „freundliche“ und fachlich sehr „kompetente“ Mensch hat es tatsächliche geschafft, alle Sorgen hinsichtlich meiner Augen, mit seiner fundierten und wohl überlegten Aussage: „Herr R. da haben sie aber echt ein Pech, da kann man überhaupt nichts machen, konzentrieren sie sich nicht so darauf, wenn sie Blitze sehen kommen sie wieder“, zu zerstreuen.  Ich denke ich brauche nicht zu erklären, dass ich ab dem Tag Blitze gesehen habe. Psychosomatik das Arschloch.
Wenigstens hatte ich das erste mal einen konkreten Namen unter dem ich googeln konnte. Das Monster hatte einen Namen: Mouches Volantes.

Nach einem mehrstündigem googeln und diversen beinahe Nervenzusammenbrüchen, bei dem Gedanken mit diesen Dingern mein Leben lang herumzulaufen, war die Erkenntnis gefallen, dass dies wohl mein Schicksal sei. Ich könnte daran Verzweifeln oder es schaffen, leben müsste ich sowieso mit diesen Flecken.

(Anmerkung: Zu diesem Zeitpunkt war die Laser Vitreolyse noch nicht sonderlich bekannt und die Vitrektomie wurde in diesem Zusammenhang nicht mal erwähnt und ein Artikel auf Wikipedia hat zu dem Zeitpunkt noch nicht existiert)

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich – bedingt durch meinen minimalen – Informationsstand dachte ich muss sicherlich mit diesen Trübungen leben mich sehr zerschmettert hat. Ich glaube, dass wen eine andere Person, zu einem andere Zeitpunkt und mit einem anderen persönlichen Hintergrund diese Trübungen bekommen hätte, wäre er/sie sicher kompetenter damit umgegangen. Ich habe mich erstmal zurückgezogen.

Licht aus, rollte runter. Affe tot.

Hier geht es zum dritten Teil: Lebensgeschichte 3

Möglichkeiten gegen die Mücken

Die harte und ernüchternde Realität gleich erstmal zu erst: Es gibt kein Naturheilverfahren/nicht operative Möglichkeit die Mücken zu entfernen. Völlig ausgeschlossen. Was von selber passieren kann, aber nicht muss, ist das sich die Mücken weiter absenken und so weniger wahrgenommen werden, oder sich der/die Betroffene daran gewöhnt. Das wars.

VitroCap und andere Irrtümer:
VitroCap oder andere Mittelchen zum einnehmen oder auch dieses ominöse Buch sind schlicht und ergreifend miese Abzocke, jedenfalls nach meiner Erfahrung. Niemand verliert dadurch seine Trübungen. Sie werden nicht einmal besser, dafür muss man einfach nur die Rezensionen lesen oder man gönnt sich 90 Tage eine Kur aus den Pillen, die man billiger und besser auch selbst zusammenstellen kann.
Das PDF-„Buch“ ist erstmal genau der selbe Unsinn, beinhaltet auch eine Ernährungsumstellung und publiziert eine Diät mit ähnlichen Inhaltsstoffen.. Eine Diät bewirkt „vielleicht“ bzw. „eventuell“ ein nicht schlimmer werden, eine Verbesserung der Sichtbarkeit der Trübungen wird aber zu 100% nicht eintreffen.
Grundsätzlich ist es eine maßlose Frechheit und an Schamlosigkeit nicht zu überbieten verzweifelten Menschen so einen Schwachsinn aufs Auge zu drücken. Diese Menschen sollte sich schämen.

Laser Vitreolyse

Hierbei werden mit einem Laser die Trübungen nach und nach verdampft. Eigentlich ein super Schritt in die richtige Richtung. Es ist – bei richtiger Ausführung – ein schonendes Verfahren fast gänzlich ohne Nebenwirkungen. Nur die Wirkung wird hier in Deutschland extrem geschönt. Bei manchen Arten von Trübungen bietet sich der Laser tatsächlich an, große zusammenhängende Verklumpungen in der Mitte des Glaskörpers, welcher sich dazu auch kaum bewegt und die Trübungen muss 3mm vor der Netzhaut und muss 3mm hinter der Linse sein. Ziemlich viele Einschränkungen und selbst wenn man alle Voraussetzungen erfüllt bleiben mit ziemlicher Sicherheit noch Floater übrig, ebenso ist es nicht ausgeschlossen sogar sehr wahrscheinlich das wieder Trübungen den Weg in das Blickfeld finden. Warum? Weil der degenerative altersbedingte Schrumpfungsprozess des Glaskörpers verantwortlich für die Trübungen ist und die hört nicht mit dem Lasern auf, sondern steigt mit dem Alterungsprozess stetig voran.
Der Grund warum Dr. med. Karl Brasse aus Vreden so gute Werte bei der Zufriedenheit seiner Kunden hat, ist seine rigorose Selektion von Patienten. Menschen die aus oben genannten Kriterien fallen werden nicht behandelt. Also ist es logisch, dass die Patienten mit den optimalen Bedienungen ein optimales Ergebnis erzielen. Es kann sein das er ein netter fähiger Arzt ist und vielen Menschen geholfen hat, aber dennoch die Kritik ist berechtigt.
Gleichfalls ist die Laser Vitreolyse ein momentan noch teures Verfahren und beachtet man den Umstand, dass der Ausgang im Vorfeld gänzlich ungewiss ist, ist dieses Verfahren momentan noch ein Witz und steckt in den Kinderschuhen.

Vitrektomie mit Gauge 23 oder Gauge 27

Kommen wir zur ultima ratio, der letzten Möglichkeit, der Vitrektomie. Hierbei wird der Glaskörper schlichtweg entfernt und durch eine andere Flüssigkeit getauscht.
Die meisten Vitrektomien werden in Deutschland pars plana durchgeführt, das heißt im geschlossenen System, bedeutet das das Auge nicht „aufgeschnitten“ wird. Es werden 2 – 3 Zugänge (ähnlich einem Portal das sich nur in eine Richtung öffnet) am Auge angebracht. Durch diese Zugänge werden die Werkzeuge (Sauger, Licht) eingeführt, das gleiche Volumen was abgesaugt wird, wird auch wieder zugeführt, so bleibt der Augeninnendruck konstant.
Nach dieser Operation hat es sich um die Trübungen erledigt, quasi für immer, falls der Glaskörper vollständig entfernt wurde. Falls nicht können an den Stellen, an denen Glaskörper übrig geblieben ist wieder Trübungen entstehen. Wie viel entfernt wird oder entfernt werden kann hängt vom Auge und dem Operateur ab. Die Zufriedenheit der operierten Patienten ist jedoch höher, wenn der Glaskörper vollständig entfernt wird.
Natürlich hat dieser Eingriff Risiken: Netzhautrisse (eher selten), vollständige Abhebung der Netzhaut (sehr selten), Infektionen (fast ausgeschlossen), Grauer Star (innherhalb von 1 – 10 Jahren, je nach Alter des Patienten. Ältere Patienten >30 bekommen schneller einen Grauen Star)

Kurz zum Grauen Star. Der Graue Star ist die am häufigsten am Auge durchgeführteste Operation der Welt. Die meisten Menschen bekommen im alter den Grauen Star, welcher sich durch eine Trübung der Augenlinse kennzeichnet und partiellen bis vollständigen Sehkraftverlust zur Folge hat. Bei der Operation wird die körpereigene Linse durch eine künstliche Linse (Monofokallinse, das zahlt die Kasse) ausgetauscht. Die Erfolgsquote liegt hierbei bei ~97%. Nach der Operation hat der Patient umgehend wieder freie Sicht, ist jedoch entweder Kurz- oder Fernsichtig, hier wird eine Brille benötigt. Danach ist die Sehkraft wieder fast vollständig (mindestens so gut wie davor) hergestellt

 

Persönliche Meinung oder was würde ich tun.

Schwierige Frage.
Die Laser Vitreolyse ist ein spannendes Verfahren für die Zukunft, aber nach meiner Einschätzung wird es mind. 10 – 20 Jahre dauern bis das Verfahren derart ausgereift ist, dass man allen Menschen mit Vertrübungen 100% heilen kann, wenn überhaupt. Dazu besteht das Risiko das sich wieder Floater ins Auge schieben und es ist vergleichsweise teuer, mit mind. 1000€ pro Auge wird man rechnen können. Ebenso gibt es zahlreiche Betroffenen die nach mehrmaligen Behandlungen einen Katarakt (Grauen Star) entwickelt haben, also das gleiche wie bei der Vitrektomie. Nach meinem jetzigen Wissenstand ist dieses Verfahren für mich keine Alternative, wenn ich etwas dagegen mache, dann einmal und dann nie wieder. Die Vitrektomie ist mittlerweile ein relativ sicheres Verfahren die Komplikationen, wenn sie denn auftreten, sind quasi vollständig unter Kontrolle. Problematisch ist hierbei die Suche nach einem Arzt, der diese Operation durchführt und dabei weiß was er tut. Hier wäre es wichtig Ärzte zu sammeln die diese Operation bereits erfolgreich durchgeführt haben, wenn das Hauptproblem „nur“ Floater waren. Falls jemand von euch solche kennen sollte, bitte in die Kommentare schreiben oder mir hier privat schicken.
Zurück zu dem was ich tue, die Entscheidung eine Vitrektomie durchzuführen ist bei mir quasi gefallen, ich habe das Geld nur noch keinen Arzt. Aber momentan versuche ich mit den Mücken Frieden zu schließen, da der Leidensdruck deswegen gerade sehr gering ist, die Operation läuft schließlich auch nicht weg.
Jeder muss die Entscheidung für sich selbst treffen, letztlich ist jede Entscheidung ok. Wer Operationen kategorisch ablehnt und lieber versucht damit zu leben hat genauso recht, wie jemand der überhaupt nicht versuch sich daran zu gewöhnen und sich gleich operieren lässt.

 

Weg zur Vitrektomie Teil 1 Vorgeschichte

Übersicht meiner Lebensgeschichte mit den Mücken.

Wie an andere Stelle schon einmal angesprochen, habe ich mich dazu entschieden eine Vitrektomie machen zu lassen.
Die Entscheidung ist mit keineswegs leicht gefallen, manchmal bin ich selbst nicht 100% davon überzeugt, aber eigentlich sehe ich es als die einzige Möglichkeit für mich.

Über die 10 Jahre hinweg, habe ich mein Leben sehr gut darauf eingestellt diese Mücken zu sehen. Dunkle Sonnenbrillen, Helligkeit des Bildschirms auf 0, keine schnellen Augenbewegungen durch Lichtquellen und all diese Strategien und Muster , die mir es ermöglicht haben, diese Mücken weitgehend zu ignorieren.

Jetzt hat sich die Situation aber nochmals verändert, es sind nochmal mehr Trübungen geworden und mein Glaskörper hat sich Links nicht vollständig abgehoben.( Link zum Thema: hintere Glaskörperabhebung) und zieht an einer Stelle an der Netzhaut, nach zwei Terminen beim Augenarzt, wegen heller Lichtblitze und einer sporadisch erscheinenden hellen Stelle wurde mir mitgeteilt, das erst gelasert wird, wenn ein Riss entstanden ist.

Nachdem ich im Zusammenhang mit an der Netzhaut ziehenden Glaskörpern schon öfter davon gelesen habe, dass eine Vitrektomie nach mehrfachen Netzhautrissen sogar empfohlen wird, war mein Gedanke klar soweit lasse ich es nicht kommen. Weswegen ich mich jetzt doch für eine Vitrektomie entschieden habe. Der Graue Star, den ich von dieser Operation bekomme, nehme ich einfach mal billigend in Kauf.

An dieser Stelle mal die Stimmen meiner Mitmenschen zu meiner Entscheidung eine Vitrektomie durchführen zu lassen und nach einer kurzen Erklärung wie diese Operation funktioniert (Glaskörper absaugen etc.)

„Du spinnst doch völlig.
– Meine Mutter

„Das machst du bitte nicht“
– Meine Schwester

„Die Saugen dir was ab? Um Gottes Willen!“
– Guter Freund

„Wie verdammt unlustig“
– Guter Freund

„Okay und danach ist das Problem gelöst?“
– Meine Freundin

„Wenn das ihre Entscheidung ist und sie sich das reiflich überlegt haben, werde ich sie da natürlich unterstützen.“
– Mein Therapeut

Natürlich ist das alles nicht so einfach. Wie hier schon mal kurz ausgeführt.

Es ist natürlich der einer der invasivsten Eingriffe die man am Auge machen lassen kann, dass muss einem klar sein. Das man im schlimmsten Fall richtig arge Probleme (bis zu großen Gesichtsfeldausfällen oder Blindheit) alles haben kann, darf man auch nicht leugnen. Deswegen ist es wichtig sich einen guten Arzt mit einigem an Reputation zu besorgen.

Zu den Ärzten, weiteren Schwierigkeiten und meinem Leben folgt später mehr.
Bis dahin alles gute.

Hier geht es zu Teil 2